1: Neue Aktive gewinnen

Nachwuchs fürs Ehrenamt, neue Leute für den Vorstand begeistern, jemand finden, der sich richtig reinhängt: Echte „Kümmerer*innen“ werden dringend gesucht.

In diesem Teil wollen wir mit dir darüber nachdenken, welche Rolle die eigene Sensibilität für Vielfalt spielen kann, wenn es um die Gewinnung neuer Aktiver geht. Wir bieten dir einen kritischen Blick auf dich selbst an und schicken dich mit dem Gedanken auf den Weg, dir neue Verbündete zu suchen. Wir nehmen dafür das Beispiel Migration, denn davon finden sich in unserer Foto-Sammlung viele Spuren.

Dieser Teil des Kurses richtet sich vor allem an weiße Menschen.

Das Engagement von Menschen mit Migrationsgeschichte* für Kultur in ihren ländlichen Lebensorten ist uns in einigen Regionen besonders aufgefallen. Manche haben eigene Initiativen gegründet, andere sind Teil eines Generationswechsels in bestehenden Strukturen – in der Kunstschule oder der Blaskapelle. Sie übernehmen Verantwortung für das Leben in kleinen Orten und gestalten es mit. Trotzdem ist das noch nicht der Normalfall.

Zum Begriff „Menschen mit Migrationsgeschichte“…

Menschen mit Migrationsgeschichte sind Personen, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern aus einem anderen Land nach Deutschland (oder ein anderes Land) zugewandert sind. Dazu zählen auch Menschen, die in Deutschland geboren sind, aber deren Familie eine Zuwanderungsgeschichte hat. Der Begriff umfasst verschiedene Erfahrungen – von Flucht über Arbeitsmigration bis hin zu freiwilliger Zuwanderung. Er wird oft genutzt, um die Vielfalt von Lebensrealitäten sichtbar zu machen, die mit Migration verbunden sind. Denn die Personen, die mit diesem Begriff zusammengefasst werden, sind sehr unterschiedlich (z.B. Alter, Gender, Erwerbsstatus, Haushaltseinkommen, Bildungsabschluss etc.).

Zum Begriff „Gender“…

Wir benutzen den Begriff Gender in Abgrenzung zu dem Begriff Geschlecht, um zu verdeutlichen, dass die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen durch Sozialisation beeinflusst wird und ein soziales Konstrukt darstellt.


Vielfalt entdecken

Die Bühne des rumänischen Kulturfestivals auf dem Marktplatz der Kleinstadt ist gerade leer. Das Selfie wird von der Moderatorin aufgenommen. Sie steht an der Seite eines jungen Mannes, der als „Security“ auftritt. Um ihn drapiert sich eine folkloristisch gekleidete Gruppe. Die Outfits und das Styling der Gruppe verweisen auf Präsentation von Kultur. Bei der Moderatorin dagegen trifft Tracht auf aktuelle Mode: Der Lidstrich, viele Ohrringe und ein Choker machen das Outfit zur privaten Bekleidung. Auf dem Bild steht die gute Stimmung im Zentrum. Alle sind nicht mehr „im Dienst“, ihr Einsatz ist augenscheinlich schon rum. Das Bild zeigt junge Menschen in Deutschland, die einen Teil ihrer Identität in Verbindung zu rumänischen Traditionen pflegen. Kultur ist ein Mittel, diesen Teil der eigenen Geschichte zu erkunden und lebendig werden zu lassen und sich mit anderen zu verbinden. Zum Aufreger wird das Fest trotzdem: Weil es im Stadtzentrum stattfindet, fordern viele Passant*innen, dass sie aktiver einbezogen werden. Unterschiedliche Vorstellungen von Repräsentation ‚anderer Kulturen‘ und gegenseitige Integration haben nicht selbstverständlich zueinander gefunden.

Das Bild nimmt eine wuselige Situation in den Blick. Erst nach und nach wird die Struktur der Anordnung deutlich: Alle sitzen in mehreren kleinen Kreisen auf dem Boden einer Theaterbühne zusammen. In jedem Kreis scheinen Teller mit Fleisch und Beilagen sowie eine Waschschüssel bereitzustehen. Die Anwesenden sind in Gespräche vertieft. Nach und nach fallen einzelne Personen besonders ins Auge: Eine Weiße Frau stützt sich an den Hüften ab und neigt sich interessiert lächelnd einer Person zu, die rechts von ihr außerhalb des Bildes sitzt. Deren Schwarze Hand gestikuliert in Richtung der Teller. Auf der rechten Seite des Bildes ist eine weitere Schwarze Person in einem anderen Kreis zu sehen. Sie gestikuliert, scheint etwas zu erklären. Zusammen mit der anderen Hand links wird die Querachse des Bildes so von zwei Gesten Schwarzer Menschen bestimmt. Das Bild legt den Fokus auf die lernenden Weißen Personen. In mehrfacher Hinsicht ist hier die Souveränität der Weißen Beteiligten ausgehebelt. Beim Essen auf dem Theaterboden gibt es kein selbstverständliches Verhalten, das Gemeinsame will erst gefunden werden. Lernen zeigt sich hier als Austausch, persönlich und multiperspektivisch.


Vielleicht ist jetzt ein guter Moment für eine Pause? Folge deinem Impuls, wenn du möchtest, und komm zurück, wenn es für dich passt.


Das eigene Weißsein bewusst machen


Genauer hinschauen

Wenn so viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eine hohe Bereitschaft zum Engagement haben, sollten wir uns damit beschäftigen, ob eine der Hürden auch mit den üblichen Umständen von Engagement zutun hat. Wir schauen genauer hin:

Reflexionsfragen an dich:

  • Wie ist es an den Orten, wo du engagiert bist?
  • Könnten Menschen ähnliche Erfahrungen bei euch gemacht haben?

Vielleicht ist jetzt ein guter Moment für eine Pause? Folge deinem Impuls, wenn du möchtest, und komm zurück, wenn es für dich passt.


Weitergehen


Verbündete suchen